Einer der größten Nachteile bei Free2Play Angeboten ist die Unberechenbarkeit beim finanziellen Budget. Aufgrund der Tatsache, dass ein Angebot grundlegend kostenlos zur Verfügung steht, lässt sich für die Betreiber nur schwer eine Prognose abschätzen. Entsprechend sparsam geht man wohl auch mit den eigenen Ressourcen um. Besonders alte Free2Play MMORPGs, wie auch FlyFF eines ist, leiden unter diesen Ressourcen, die nach über einem Jahrzehnt bestenfalls noch auf Sparflamme laufen. Wer würde da also nicht jede Möglichkeit nutzen, um an kostengünstiges Personal zu kommen?

Im Fall vom MMO Publisher WEBZEN heißt dieses kostengünstige Personal „Moderatoren“. Es sind Spieler aus der Community, die – soweit wir wissen – ehrenamtlich und kostenlos ihre Zeit in den Dienst der Community stellen. Ihr Ziel ist es, die Game Master beim Community Management zu unterstützen. Das tun sie unter Anderem durch die Moderation des offiziellen Forums, der offiziellen Discord Server und sogar ingame. Wer mehr über die allgemeinen Aufgabenbereiche der Moderatoren erfahren möchte, sollte einen Blick in Thibias Blogbeitrag zu diesem Thema werfen.

Die Schattenseite der ehrenamtlichen Helfer

Auf der einen Seite ist das Konzept der Moderatoren natürlich clever. Man holt sich kostenlose Arbeitskräfte, die ihre Freizeit unentgeltlich für das Community Management verschleudern. Klingt nach einem guten Deal für den Publisher. Auf der anderen Seite muss man diesen Moderatoren aber auch die Mittel für die Moderation bereitstellen. Das heißt man muss ihnen administrative Rechte geben. Und da wird die Sache schon etwas schwieriger.

Gib man außenstehenden Leuten (die nicht vertraglich an das Unternehmen gebunden sind) den metaphorischen Schlüssel zum Süßigkeitenladen, besteht die Gefahr des Machtmissbrauchs. Besonders die Spieler sind da meist sehr skeptisch; schließlich sind sie zum Großteil die Leidtragenden, wenn einem Moderator seine Position zu Kopf steigt.

Die Sache wird nicht einfacher, wenn man bedenkt, dass es sich bei FlyFF (oder generell bei MMOs) um Communities mit einer jüngeren Zielgruppe handelt. Entsprechend sind die meisten ehrenamtlichen Helfer in solchen Communities entsprechend jung und besitzen noch nicht die nötige Reife für das Community Management. Im Folgenden möchten wir auf zwei Beispiele eingehen, bei denen der Einsatz von ehrenamtlichen Moderatoren nach hinten losging.

Beispiel 1 – Die eigene Bereicherung

Früher, als Moderatoren ausschließlich in den offiziellen Foren unterwegs waren, konnte wahrscheinlich noch nicht viel passieren. Die schlimmsten Szenarien waren zu dieser Zeit vermutlich, dass ein Moderator sich verbal daneben benimmt oder wahllos Foren-Threads löscht. Als sie dann aber auch ingame mit offiziellen Charakteren eingeführt wurden, wuchs das Potenzial des Machtmissbrauchs.

Einer der wohl bekanntesten und schlimmsten Vorfälle bezüglich der eigenen Bereicherung eines MODs fand auf den US Servern statt. Kurz bevor [MOD]Cheriesaurus im Spätsommer 2015 aus eigener Entscheidung ihren Dienst quittierte, verkaufte sie mutmaßlich das Equipment, welches sich auf ihrem MOD-Charakter befand. Dieses Equipment war mit absolut utopischen Erweckungen bestückt, was ihr sicher eine ordentliche Summe eingebracht hat.

Dieses Beispiel zeigt sehr erschreckend die Nachteile von ehrenamtlichen Mitarbeitern in einer Online-Community. Vom Publisher festangestellte Mitarbeiter würden aufgrund von vertraglich festgelegten Sanktionen sicher nicht einmal auf den Gedanken kommen, etwas derartiges zu tun. Da ehrenamtliche Mitarbeiter meist aber nicht an einen Vertrag gebunden sind, können sie zu einem Risiko werden, wenn sie an ihrer Position kein Interesse mehr haben und auch „nichts zu verlieren haben“.

Beispiel 2 – Das zwanghafte Bedürfnis der Selbstdarstellung

Machtpositionen können ganz unterschiedliche Wirkungen auf Menschen haben. Die einen müssen sie unbedingt demonstrieren und andere nutzen sie still und bescheiden, um ihren Aufgaben nachzukommen. Hier haben wir ein relativ aktuelles Beispiel, das sich erst am vergangenen Donnerstag ereignete.

Der Schauplatz ist auch hier wieder einer der US Server. Tiasess – einer der deutschen Moderatoren – zeigte sich online auf dem englischen FlyFF Discord. Da er dort scheinbar nicht sehr bekannt ist, sprangen die Spieler auf ihn an und fühlten ihm ein wenig auf den Zahn. Er spielte das Spiel eine Weile mit und schien dabei insbesondere Spaß daran zu haben, seine Machtposition deutlich zu machen. So suggerierte er unter Anderem, dass einem der User dort doch ein Meteonyker auf dem Kopf ganz gut stehen würde. Eben diese User, die ohnehin schon versuchten ihn aus der Reserve zu locken, warfen den Köder noch weiter aus und Tiasess biss an.

Besuch und Tod in der GM Wüste

Tiasess erkundigte sich also nach Server und Namen des Spielers und loggte sich auf dem US Server Tanuki ein. Das führte schlussendlich dazu, dass mehrere Spieler in die GM Wüste teleportiert wurden. Einem wurde nach Aussagen zu urteilen ein „Flame King Meteoneeker“ auf den Kopf gesetzt, mit dem Ziel, diesen Charakter zu töten. Stattdessen erwischte es jedoch eine andere Spielerin, die als Schaulustige diesem Spektakel beiwohnte.

Die Geschehnisse ingame wurden in Echtzeit auf dem englischen FlyFF Discord kommentiert. Die Stimmung schwankte ein wenig, als einer der Spieler sich gegen die Aktion von Tiasess aussprach. Dieser User hinterfragte, ob Tiasess überhaupt einfach so Spieler durch die Gegend teleportieren und töten dürfe. Tiasess ist sich dabei absolut sicher. Schließlich haben die Spieler ja ihr Einverständnis gegeben.

Die Community ist gespaltener Ansicht

Während der Spieler Ensei weiterhin skeptisch war, schlugen sich andere Spieler auf Tiasess‘ Seite. Auch sie sind der Ansicht, dass solche Aktionen vollkommen in Ordnung gehen, solange die betroffenen Spieler kein Problem damit haben, dass ihre Charaktere unter Umständen in den virtuellen Tod gerissen werden. Aber ist es wirklich so einfach? Dürfen ehrenamtliche Moderatoren mit den Spielern machen, was immer sie wollen, solange die Spieler ihr Einverständnis geben?

In den meisten MMOs, die wir bereits gespielt haben, verhält es sich meist so, dass sich die administrativen Gewalten eher im Hintergrund halten. Game Master greifen zumeist nie in das Spielgeschehen ein. Weiterhin können wir uns sehr gut vorstellen, dass das Töten von Spieler-Charakteren eher zu den No-Go’s gehört. Aus diesem Grund sind auch wir eher skeptisch, ob das Handeln von Tiasess tatsächlich in Ordnung war. Nur, weil die Spieler ein Einverständnis geben, heißt das noch lange nicht, dass man mit ihnen machen kann, was man will. Mit Sicherheit gelten auch für die GMs und MODs bestimmte Verhaltensrichtlinien, die einen professionellen Umgang vorschreiben. Wir können uns nur schwer vorstellen, dass das Herumteleportieren und gezielte Töten von Spieler-Charakteren zu diesem professionellen Umgang gehört.

Fazit

Aus unserer Sicht sind ehrenamtliche Mitarbeiter aus der Community ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite können sie sehr praktisch sein und dem Publisher ordentlich unter die Arme greifen. Auf der anderen Seite können sie aber auch zu einer tickenden Zeitbombe werden, wenn sie mit ihren Rechten nicht umgehen können. Wir haben zwei Beispiele aufgezeigt, bei denen MODs sich entweder selbst bereichern oder aber ein bisschen zu sehr dem Narzissmus verfallen.

Bedenkt man aber, dass es gerade mal zwei Vorfälle in mittlerweile vier oder fünf Jahren waren, in denen es ingame MODs gibt, so ist das eine ganz akzeptable Balance.


Wie denkt ihr über die Moderatoren? Seid ihr schon mal Zeuge von Machtmissbrauch seitens der Obrigkeiten geworden? Oder wart ihr sogar schon mal Opfer von Machtmissbrauch in FlyFF? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!